» Lenneroute / Historie / Ein Tourbericht von Michael Schröder aus Hagen.

Auf der Lenneroute unterwegs im August 2001

Radtour vom 25.08 - 26.08.2001 auf der Lenneroute
Von der Quelle bis (fast) zur Mündung


Der Kreisverband Iserlohn/Märkischer Kreis des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs hat für das letzte Augustwochenende zu einer zweitägigen Fahrradtour entlang der Lenne eingeladen. 3 Mitglieder der Hagener ADFC-Ortsgruppe wollten auch gerne den Streckenverlauf kennen lernen und haben sich den Iserlohnern auf ihrer Lennetour angeschlossen.

Um 7.12 Uhr starten wir mit der Bahn ab Hagen-Hauptbahnhof. Die Zugfahrt führt uns zunächst nach Bestwig. Dort müssen wir in den Zug nach Winterberg umsteigen. Am Bahnhof treffen wir auf die Radlergruppe aus Iserlohn. Nach kurzer Begrüßung geht es in den Zug, der uns immer höher in die Sauerländer Bergwelt bis nach Winterberg bringt. In Winterberg kommt noch eine 12-köpfige Gruppe von Radfahrerinnen und Radfahrern aus Menden hinzu, die uns auf der ersten Etappe begleiten wollen.

Nach einer ausgiebigen Pause in einem Winterberger Café mit Brötchen und Kuchen geht es gut gestärkt bergauf zum 841m hohen Kahlen Asten. Weit ist es nicht und die Steigung verläuft relativ sanft. Hier erfahren wir, dass der Kahle Asten nicht der höchste Berg von NRW ist, sondern nur der zweithöchste. Vom Aussichtsturm aus hätten wir heute eine wunderbare Fernsicht, jedoch steuern wir unseren eigentlichen Startpunkt, die Lennequelle, an. Durch eine Hochheide, in der Heidekraut, Heidelbeeren und Preiselbeeren wachsen, gelangen wir zur Quelle. Sie ist mit 830 Metern über NN die höchstgelegene Quelle in Nordrhein-Westfalen. Die Lenne, die hier oben nur ein kleines, in Steinen gebettetes Rinnsal ist, begleitet uns nun auf unserer fast 150 km langen Radstrecke bis ins Ruhrtal, wo sie in der Nähe des Hengsteysees schließlich in die Ruhr mündet.

Zunächst erklärt uns Werner Kroll vom ADFC, wie es zur Idee zu einem touristischen Radwanderweg entlang der Lenne hier im bergigen Sauerland gekommen ist. Der ADFC, sowie der Hochsauerlandkreis, der Märkische Kreis, der Kreis Olpe, sowie die Stadt Hagen, haben eng in einer Arbeitsgruppe an diesem Projekt gearbeitet. Ziel ist es dieses landschaftlich reizvolle Gebiet auch für den Radwanderer zu erschließen und so "erfahrbar" zu machen. Einige Teilnehmer schauen auf Grund der topographischen Lage noch recht skeptisch. Gibt es dort überhaupt ruhige und geeignete Wege? Müssen wir nicht hauptsächlich die Bundesstr. 236 durch das Lennetal nutzen?

Auch wenn die Route derzeit noch nicht hundertprozentig ausgebaut ist, so zeigt sich doch im Laufe dieser Tour, dass unsere Bedenken unbegründet waren. Es gibt eine Vielzahl von ruhigen Wegen, die teilweise über leicht ansteigende Waldhänge geführt werden. Über ruhige Straßen, durch malerische Fachwerkdörfchen, sowie an altehrwürdigen Gutshöfen vorbei, rollen unsere Räder talwärts. Neu angelegte Radwege führen uns durch saftig grüne Flußauen. Die Teilnehmer waren sich einig: Wenn dieses Projekt gelingt, erhält man sicherlich einen der schönsten Radwanderwege in Deutschland.

Nach der Lennequelle geht es über Waldwege hinab. Diese Strecke ist eher für Mountainbiker geeignet, aber unsere Tourenräder werden auch mit der Anforderung fertig, aber man muss schon etwas Geschick haben und sehr vorsichtig bremsen.

Ab Westfeld ist die Strecke jedoch asphaltiert und sogar ausgeschildert. In Oberkirchen machen wir in einem netten Biergarten rast. Bis Schmallenberg sind es 27 km und im dortigen Kurpark finden wir ein schattiges Plätzchen um den Wasserverlust wieder auszugleichen, denn das Thermometer zeigt bereits 28 Grad an. Nun geht es tatsächlich ein Stück auf die Bundesstrasse, die hier am Wochenende aber wenig befahren ist. Über einen Nebenweg erreichen wir Saalhausen und bei Kilometerstand 42 legen wir eine kühlende Eispause im hiesigen Café ein. Weiter geht es durch kleine Dörfer und Ortschaften, die 1969 zur Gemeinde Lennestadt zusammengefasst wurden. Ein Stück geht es nun entlang der B 236 die wir in Grevenbrück wieder verlassen. Ein schmaler Pfad entlang der Bahnlinie erfordert höchste Konzentration und die Brennnesseln streifen unsere Beine. "Hier soll die offizielle Fahrradroute herführen?" fragen wir uns. Werner Kroll beruhigt uns und sagt, dass dieses Stück zum breiten Radweg ausgebaut wird. Wir fahren im weiteren Verlauf mal links, mal rechts der Bahnstrecke nach Lenhausen. Dort kommen wir mal wieder nicht an einem Biergarten vorbei. 67 km haben wir nun hinter uns und es muss erst einmal Flüssigkeit nachgetankt werden.

Hinter Lehnhausen zweigen wir von der Lenneroute ab und fahren in das Frettertal. Zu unserer Überraschung befindet sich hier ein sehr schöner Radweg auf einer 1984 stillgelegten Bahntrasse. Dieser Radweg von Lenhausen nach Fehrenbracht wurde 1995 eröffnet. Die alten Schilder und Signale entlang der Strecke erinnern noch an frühere Zeiten. In einem Gasthof in Schönholthausen wollen wir übernachten. Da der Ort auf einer Anhöhe liegt sind kurz vor dem Ziel noch ein paar Höhenmeter zu bewältigen.

Nach dem Duschen und kleiner Pause treffen wir uns dann abends im Restaurant des Gasthofes. Beliebtes Gericht ist hier eine "Fuhre Mist". Verschiede Fleischsorten werden tatsächlich in einem kleinen "Modell-Fuhrwerk" serviert.

Der nächste Morgen empfängt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein. Heute soll laut Wetterbericht der heißeste Tag des Jahres werden. Wir entschließen uns, dass in der Nähe befindliche Hochspeicherbecken Rönkhausen zu besichtigen. Eine gut ausgebaute Straße, die wir am frühen Morgen für uns alleine haben geht es den Berg hinauf. Das große Speicherbecken ist nur zur Hälfte gefüllt. Eine wunderbare Fernsicht entschädigt für die Anstrengungen der Bergfahrt.

Eine lange Abfahrt nach Rönkhausen bringt uns wieder angenehme Kühlung. In Werdohl meldet sich der Hunger und in einer Pizzeria gibt es leckere Nudeln, Salat und natürlich Pizza. Hinter Werdohl endet der Radweg und ab hier muss man die Bundesstraße bis Altena nehmen. In der Burgstadt Altena machen wir noch einmal Rast in einem kleinen Eiscafé. Weiter geht es auf der Bundesstraße. Ab Nachrodt beginnt wieder der gut ausgebaute Radweg. Kurz vor Letmathe trennen sich die Iserlohner von der Hagener Radlergruppe. Während die Iserlohner die Grüne ansteuern, fahren wir auf ruhigen Nebenstraßen durch Genna und Oege. Vorbei geht es am Hoesch-Walzwerk und an einer alten Arbeitersiedlung, die an eine Zechensiedlung im Ruhrgebiet erinnert.

In Hohenlimburg erreichen wir nun den schön angelegten Hagener Teil der Lenneroute. Bis zur Mündung fahren wir heute allerdings nicht mehr, da das Thermometer bereits 32 Grad anzeigt und wir uns auf die Duschen Zuhause freuen.

Streckenlänge Winterberg Bahnhof–Hagen-Boloh:147,8 km

Fazit:
Viele Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben in den letzen Jahren die Chance erkannt und eine gute Infrastruktur für den Fahrradtourismus geschaffen. Auch die Sauerländer hoffen mit dem Projekt "Lenneradweg" ihr touristisches Angebot zu ergänzen. Vor allem für die Menschen aus den Ballungsgebieten von Rhein und Ruhr ist es eine interessante Möglichkeit diese wunderbare Landschaft auf umweltfreundliche Art kennen zu lernen. Um die Route zu finden, ist allerdings eine Wegweisung unerlässlich. Aber auch weitere bauliche Maßnahmen sind an einigen Abschnitten erforderlich. So sollten Steigungsstrecken an den Hängen aus Sicherheitsgründen asphaltiert werden und Waldwege ausgefüllt und gewalzt werden. Auch um einen Ausbau des Radweges im Bereich Elverlingsen, Altena bis Nachrodt sollte man sich bemühen, da in diesem Bereich die Bundesstrasse benutzt werden muss. Positiv ist, dass entlang der Route zwischen Hagen und Altenhundem die Ruhr- Sieg -Strecke der Bahn mit Fahrradmitnahme verläuft. So erhält man die Möglichkeit an unterschiedlichen Orten die Radtour zu starten. Ebenso kann man z.b. bei einem Wetterumschwung die Strecke beliebig verkürzen.

Streckenbeschreibung:

1.Tag:
Winterberg – Kahler Asten (Astenturm) – Lennequelle – Lenneplätze – (Waldwege, geschottert) – Westfeld (asphaltiert, beschildert) – Oberkirchen – Winkhausen – Schmallenberg – (B 236) Fleckenberg (Feldweg) – Lenne – (B236) Störmecke – (Nebenweg) – Saalhausen – (Feldweg) – Gleierbrück – Langenei – Kickenbach - (Radweg an B 236) – Altenhundem – Meggen - Maumke – Grevenbrück – (schmaler Pfad an Bahnlinie) – Bamenohl – Finnentrop – Lenhausen – Schönholthausen

2.Tag: Hochspeicherbecken – Rönkhausen – Böddinghausen – Ohle – Werdohl – (B236 bis Nachrodt) - Elverlingsen – Altena – Nachrodt (Radweg)- Genna – Oege – Hohenlimburg – Halden








Verbesserungen:
Da im Bereich Altena ein Radweg fehlt, sollte zumindest die Fußgängerzone außerhalb der Ladenöffnungszeiten für den Radverkehr freigegeben werden. Da die Route sich vor allem für einen Wochenendausflug lohnt, dürfte die Durchfahrung am Samstagnachmittag und Sonntags kein Problem darstellen. Die Gastbetriebe in Altena dürften über eine Wegweisung durch ihre Innenstadt, in der auch historische Gebäude zu sehen sind, sicherlich erfreut sein.