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Radlust in NRW – dem Sauerland aufs Dach geradelt

syberg01.jpg Das Sauerland und Fahrrad fahren? Geht das? Wir wollten es ausprobieren. Nach so vielen guten Meldungen hatten wir uns kurzfristig für die Lenne hoch und die Ruhr runter entschieden. Es geht natürlich auch anders herum. Fünf Tage hatten wir Zeit, das Wetter spielte kurzfristig mit, und so ging’s los.

Ein Reisebericht von Ulrich Syberg (ADFC NRW) und Reinhard Siemon

1. Tag – Donnerstag, 26. April 2007
Wetter: Sonne, blauer Himmel – zu warm für diese Jahreszeit
Der heutige Tag soll uns bis in die Nähe von Altena bringen.
Reinhard und ich starten in Herne-Eickel. Wir fahren zur Erzbahntrasse und rollen zur Jahrhunderthalle, einem der Anker-punkte der Route der Industriekultur – auch per Rad. Die Jahrhunderthalle wird gerade für die Kulturhauptstadt „Ruhr 2010“ herausgeputzt. Am Bochumer Schauspielhaus vorbei, immer die Königs-allee hinauf, biegen wir links ab in die Marktstraße. Von dort wird die Fahrt ra-sant bis hinunter zum Kemnader Stausee, wo wir auf den Ruhrtalradweg stoßen, der uns noch bis zur Hohensyburg führen wird. Mit der Hardenberg Fähre setzen wir auf das südliche Ruhrufer über. Eine geniale Einrichtung hier an der Ruhr, die die Tour mit einer Mini-Kreuzfahrt unterhaltsam unterbricht. Ein kurzer Abstecher zur Ruine Hardenstein, die majestätisch das Sonnenlicht bricht.
Vor zehn Jahren war ich schon einmal hier. Ich recherchierte für einen Radtourenführer, der im Frühjahr 1997 im Stöppel-Verlag erschien. Damals haben nur wenige im Ruhrgebiet das Rad gedreht. Heute, 2007, hat sich alles gewandelt: die Ruhrgebietstouristik GmbH kümmert sich liebevoll und marktorientiert um die „Qualitätsroute des Jahres“, den RuhrtalRadweg. Der Regionalverband Ruhrgebiet hat zwischenzeitlich das Fahrrad auf einen anderen Stellenwert gehoben. Eine komplette Ausschilderung ist fertig. Wege, die auch den Namen Radweg verdienen, sind entstanden. Welch ein Quantensprung! Danke.
Wir fahren zur Zeche Nachtigall. Ein kurzer Stopp im Besucherzentrum. Für eine Besichtigung bleibt keine Zeit. Kenn ich auch schon. Als vor einem Jahr der Ruhr-talradweg eröffnet wurde, strömten ca. 3.500 Menschen auf Rädern zu diesem Ort. Es goss in Strömen, als wollte der Himmel die Eröffnung des Ruhrtalradweges taufen. Jetzt verlaufen sich nur ein paar Gäste.
Neue Radwanderwege entlang der Ruhr erwarten uns. Was war das früher doch ein „Gewühle“ entlang des Flusses. Jetzt alles klar ausgeschildert und exzellente Wege, die kräftig genutzt werden, verlaufen abseits aller Autostraßen. Kurz vor Wetter dann doch noch eine riesige Kreuzung und ein Tunneldurchstieg über Treppen. So war es früher an vielen Stellen entlang der Ruhr. Auf der anderen Seite finden wir den Weg zum Ufer nicht! Aber der Ortssinn hat mich nicht verlassen und wir sitzen bald am Hengsteysee auf einer Bank. Enten vor uns, die schnatternd ihrer Balz nachgehen.
Jetzt beginnt ein sehr schönes Stück des Weges immer am Seeufer entlang. Aber wehe es ist Wochenende! Da geht hier nichts mehr – Massenprobleme wie auf Chinas Straßen. Wir kreuzen auf die Süd-seite. Da hat man sogar eine Umleitung für Radfahrer angelegt, wie schlau und welcher Komfort. Mein Kompliment!
Kurz nach dem Bikertreff an der Straße zur Hohensyburg ist es dann soweit, wir erreichen die Lennemündung. Schäbig. Direkt vor mir mündet ein kleiner Bach-lauf in die Lenne. Dunkelbraunes Wasser von der hinter mir liegenden Fabrik lässt uns nicht lange verweilen. Nur weg hier. Aber das ist eben der Umweltzoll, den wir für unser Wirtschaftswachstum zahlen müssen. So, nun beginnt das 114,3 Kilometer lange Abenteuer „Lenneradweg“. Hinauf zum Kahlen Asten, fast 800 Meter Höhenunterschied. Gar nicht viel. Aber das „Auf und ab“ wird uns sicherlich nerven. Wir sind ja nicht gedopt – noch nicht.
Der Radweg hat schon bessere Zeiten ge-sehen. So baute man eben vor 20 Jahren. Pflasterstein an Pflasterstein. Hoppel, hoppel über Kilometer an der Lenne entlang. Links der Fluss, rechts Industrieku-lisse. Zum Glück müssen wir nicht an der Straße entlang fahren. Der brausende Autoverkehr oben auf der „A1“ lässt uns schneller fahren.
Dann queren wir den Fluss an einer klei-nen Brücke und erreichen Hohenlimburg. Was macht Hohenlimburg aus? Das Schloss. Aber Schlösser haben manchmal eines an sich: sie liegen hoch oben auf einem Berg. 10, 12 Prozent Steigung sind jedoch schnell geschafft. Ein Ausblick, den sich jeder Lenneradler gönnen sollte. Noch höher geht’s durch ein Tor. Das Re-staurant hat noch nicht geöffnet – zum Glück, sonst wären wir womöglich noch eingefallen und hätten Eis gegessen.
Weiter hoch durch das nächste Tor. Dort befindet sich das Drahtmuseum. Der süd-östlichste Zipfel der „Route der Industrie-kultur“. Auch hier hat Kyrill zugeschlagen, wie uns der Museumspädagoge erzählt. Die Bäume im Burghof waren schon zahlreicher. Einige Zedern mussten wei-chen. Ein Blick durch eine kleine Tür ins östliche Tal zeigt uns, was wir in den nächsten Tagen zu Hauf sehen werden: leergefegte Berghügel, auf denen der Sturm ganze Arbeit geleistet hat.
Sausend mit viel Bremsgequietsche fahren wir zurück an die Lenne und dem A-bendquartier entgegen. Ein paar Kilometer noch über die gut ausgebaute Land-straße, dann geht’s auf die andere Lenne-seite auf verkehrsberuhigten Wegen in Richtung Altena. Wir hatten uns für ein Quartier in Dahle entschieden. Aber wo liegt Dahle? Raus aus Altena, immer der viel befahrenen Landstraße den Berg hin-auf. Das ist Straße pur – leider. Aber ir-gendwo in diesem engen Tal mit den vielen Drahtwerken müssen sich alle Ver-kehrsteilnehmer ja begegnen. Wir machen aus der Not eine Tugend und legen einfach ein paar Haltestopps mehr ein. Es gibt ja genug zu sehen. Ein Blick in ein solches Drahtziehwerk bildet den Gast - und irgendwo müssen die Menschen ja auch arbeiten. Bald sind wir in Dahle und oben auf dem Bergrücken angekommen. Die Entschädigung folgt sofort: ein ruhi-ger Platz zum Erholen empfängt uns und die Gewissheit: am anderen Morgen geht’s wieder bergab. Im Hotel sind wir die einzigen Gäste und bekommen das beste Zimmer.
Fazit: 80 Kilometer – 5:50 Stunden im Sattel – Schnitt 14,2 Km/h



2. Tag – Freitag, 27. April 2007  - Dahle – Bad Fredeburg

Wetter: Sonne, blauer Himmel – wir hat-ten viel zu viele Sachen dabei.
Noch ein kurzes Stück bergan mit immer wieder herrlichem Blick ins Tal. Dann geht’s wieder kyrillisch durch den mit vielen neuen Sichtachsen gespickten Wald. Die Schilder des Radverkehrsnetzes NRW weisen uns den Weg nach Neuenra-de (340 Meter ü. NN). 18 Prozent bergab ist auch nicht ohne.
Noch einmal ein steiles Stück und die Lenne bei Werdohl zeigt uns wieder den Weg. Jetzt können wir bald die ganze Pracht dieses Flusstales sehen. Bei Tein-deln verlassen wir die Landstraße und queren bei einer Holzbrücke den Fluss. Ein brillanter Anblick tut sich vor uns auf, das Lennetal, wie es idyllischer nicht sein kann. Saftiges Grün und mitten durch der asphaltierte Radweg. Dann führt uns der Weg immer am Berghang entlang, durch Wälder auf und ab, mal schiebend, mal fluchend aber immer ganz allein, wie bei Hänsel und Gretel.
Für Plettenberg ist keine Zeit, wir fahren die Lenne hoch. Bei Rönkhausen machen wir Rast. Auf der gekennzeichneten Radstrecke gibt es kein Durchkommen. Bäume liegen quer im Wald. Der Wald sei gesperrt, hieß es auf einem Schild, das wir jedoch beim Abbiegen übersehen hatten. Im Wald pflanzen ungarische Arbeiter bereits wieder die ersten Setzlinge.
Bis Lenhausen ist es nur noch ein kurzes Stück. Das Schloss direkt an der Straße lassen wir links liegen und verlassen den Lenneradweg in Richtung Fretter. Adieu Lenne, bis Morgen.
Ein kurzes Stück Landstraße, den Hügel hoch in das Tal des Fretterbaches. Dann geht’s rechts hoch auf die alte Bahntrasse. Herrlich. Asphalt, des Radlers liebster Untergrund. Es rollt wie von selber, immer seicht ohne Anstrengungen hinauf nach Fretter. Immer da wo ein Sägewerk sich uns quer in den Weg stellt, wird umgeleitet. Da hat die Bahn vor Jahrzehnten noch nicht die Fahrradfahrer im Visier ge-habt und hat die Flächen veräußert. Pech. Heute sieht es anders aus. Da werden die Flächen durch Radlertrassen gesichert und niemand kommt auf die Idee, solch edle Fahrradstrecken zu zerschneiden.
Die Strecke am Berghang geht vorbei an Serkenrode in Richtung Fehrenbracht, dem Highlight des heutigen Tages. Kürz-lich erst eröffnet und heute schon in aller Munde: der Kückelheimer Radlertunnel. Bereits 1910 rollten hier Züge durch. 689 Meter lang und 10 Grad kühl. Für den heutigen Tag genau das Richtige. Tropf, tropf macht es von der Decke. Beleuchtet ist die Röhre auch. Grandios, wo findest du das noch? Der Tunnel bringt uns durch den Berg ins andere Tal.
Wer denkt, die Qualität des Weges lässt jetzt nach, hat sich getäuscht. Wo sind die ehemaligen Bahnbrücken? Nach einem kurzen, kräftigen bergauf und bergab geht’s in sausender Fahrt in Richtung Eslohe. Die Schilder des Radnetzes sind ganz neu. Vor zehn Jahren noch unvorstellbar. Nordrhein-Westfalen, das Fahrradland Nr. 1, lässt grüßen.
Schade, auch für Eslohe haben wir keine Zeit. Am Kreisverkehr links, dann oben an der großen Kreuzung rechts ab. Bald be-finden wir uns wieder auf dem Radring. Das Sauerland und Fahrrad fahren? Ein wirklich neues Feeling stellt sich ein. Familientauglich und auch für Genussradler bestens geeignet. Radlust in NRW kommt auf. Jetzt müssten nur noch die Über-nachtungsbetriebe fahrradfreundlich sein. Wir probieren es aus. In Bad Fredeburg machen wir Rast für die Nacht.
Die Empfehlung für das „Landhaus Kno-che“ kam vom Sauerland Tourismus, die müssen es wissen. Und hatten Recht. Noch kein Bett&Bike-Betrieb, aber das von Frau Knoche geführte Familienunternehmen mit exzellenter Küche wird bald unter Fahrradfahrern ein Geheimtipp sein. Also merken: Landhaus Knoche in Frede-burg! Lecker ist es. Da sind die Strapazen des Tages schnell vergessen. Bei „nem lecker Pilsken“ und ein paar Döneken von der Chefin lassen wir den Tag ausklingen. Übrigens: lassen Sie sich den Koffer mit der Holzspeisekarte zeigen!
Fazit: 72 Kilometer – 4:53 Stunden im Sattel – Schnitt 14,5 Km/h

3. Tag – Samstag, 28. April 2007 - Bad Fredeburg - Freienohl

Wetter: (immer noch) Sonne, blauer Himmel – heute brauchen wir eigentlich gar kein Gepäck.
Der Höhepunkt unserer Tour: wir erradeln uns das Dach von NRW, den „Kahlen Asten“ mit seinen 841 Metern über dem Meeresspiegel. Für meinen alpenerfahren Begleiter ein Klacks. Für mich die größte Herausforderung seit langem. Was er-wartet uns? Nach viel zu kurzer Nacht – der hauseigene Lagerkorn von Frau Kno-che war gar lecker – besteigen wir wieder unsere Räder und fahren Richtung Schmallenberg. Wir bleiben auf der Bun-desstraße 511 und lassen uns rollen. Oben am Berg begleitet uns der Bahnradweg. Ein kurzer Stopp beim Getränke-markt am Ortsausgang von Fredeburg. Viel Wasser mit Apfelsaft, dass dürfte für den Tag reichen.
Bei Gleidorf treffen wir wieder auf unsere Lenne. Sie ist schmal geworden, ein klei-ner Bach windet sich durchs Tal. Wir folgen der B 236 abseits über einen Schotterweg. Durch ehemalige Tannenwälder – Kyrill lässt grüßen – erreichen wir Ober-kirchen. Ein malerischer Ort zum Verweilen. Eine kurze Rast im Gartenlokal. Hier treffen wir auf viele Mountainbiker, die sich in der Bike-Arena tummeln. Sauer-landidylle wie auf einer Postkarte.
Noch ein kurzes Stück bis Westfeld, wenn man in Oberkirchen nicht den Abzweig in der Ortsmitte verpasst. Verflixt, ein Umweg musste heute wirklich nicht sein, und dann noch bergauf! Na ja, zurück in Oberkirchen geht es an der nun kleinen Lenne bis nach Westfeld, dem letzten Ort vor dem Aufstieg zum Kahlen Asten.
Aufpassen: am Ortsende, am Schilift, biegt der Weg rechts in den Wald ein. Die Beschilderung ist nicht mehr optimal. Die Lenneroute ist wie vom Erdboden ver-schluckt. Hier hilft jetzt nur noch die topgraphische Karte.
Ist das die Lenne dort unten? Ja, sie muss es sein. Der Waldweg ist gut zu befahren. So folgen wir dem kleinen Bach, der sich durch das grüne Wiesental schlängelt. Bei jedem Abzweig wird es spannend. Noch geradeaus oder doch halb links? Uns kommt ein Vater mit seinem fünfjährigen Sohn entgegen. So schlimm kann es doch gar nicht sein. Was die können …
Dann ist die Lenne oder das, was von ihr übrig geblieben ist, plötzlich verschwunden. Keine Quelle, nichts. Wo ist sie?
Wir lassen den Ort Lenneplätze rechts oben liegen. Die Karte der Lenneroute hilft hier gar nicht. Also schieben wir den Mountainbike-Trail hinauf. 18 Prozent werden es schon sein. 200 Meter weiter oben, vor Schweiß tropfend, sind wir wie-der orientiert. Eine Bank steht an der richtigen Stelle. Wären wir doch rauf nach Lenneplätze gefahren! Ja, so zahlt man Lehrgeld beim Erforschen seiner Heimat. Von weitem sehen wir die ersten Wande-rer. Noch ein kurzes Stück und ein riesiger Wegweiser zeigt uns den Weg zur Lennequelle, der höchstgelegen Quelle in Nordrhein-Westfalen.
Über Stock und Stein das Fahrrad schie-bend, über Bäume, die der letzte Sturm umgeworfen hat das Rad tragend, erreichen wir unser Ziel: ein kleines dünnes Rinnsaal entspringt einem Felsen und … versiegt nach drei Metern im Morast. Die Lenne.
Nur 300 Meter weiter und „nur“ elf Meter höher der Kahle Asten. Kachelmanns Wetterstation, im herrlichen Sonnenschein – 28 Grad im Schatten. Die Men-schen liegen in Sonnenstühlen und genießen die Stille. Ein Rückblick über das Sauerland ist ein Muss, und wenn man das noch mit dem Fahrrad erreicht hat, gratuliert man sich selber doppelt.
Kein Weizenbier, nur ein kurzer Stopp. Wir müssen weiter, die Zeit drängt, wir sind viel zu spät dran. Bis Freienohl sind es noch 50 Kilometer und es ist schon fast drei.
Winterberg, wir kommen. Mit 50 Sachen in Richtung Skisprungschanze. Rechts rein in den Ort, den die Holländer fest in ihrer Hand haben. Tourismus pur.
Am Bahnhof dann die ersten Schilder unserer neuen Route, des sagenumwobenen Ruhrtalradweges. Mittlerweile eine Pflicht für alle Radlerfans. Kurz hinterm Bahnhof die erste Bergwertung mit 15 Prozent. Schieben!
Dann in den Weg und in sausender Fahrt geht’s zur Ruhrquelle. An der wird gerade gebaut. Vermutlich, weil so viele Fahr-radfahrer gar nicht auf den Platz gehen.
Wir sind nicht mehr allein. Ab jetzt treffen wir immer wieder Radler, die das gleiche Ziel haben: Ruhrabwärts. Schotterstrecken wechseln sich mit guten Belägen ab. Schon oft ist diese Strecke kommentiert worden. Sie hält, was versprochen wird, danke an die Macher.
Wiemersfeld, Wiemeringhausen, Assing-hausen, Sauerland pur. Heimatkunde für den Nachwuchs. Denn Kinder sind hier viele unterwegs. Haus Wildenstein gibt es nicht mehr. Abgebrannt. Die Ruinen ragen geschwärzt gen Himmel. Es riecht noch angekokelt.
Mal einen Blick in einen Ökokuhstall werfen und dann 15 Prozent bergab runter nach Assinghausen. Gute Bremsen muss man haben, sonst verpasst man diesen schönen Ort. Cafes am Straßenrand laden ein.
Bald ist Olsberg in Sicht. Hier wird es ein wenig wuselig. Aber die Beschilderung funktioniert. Keine Angst, hier kennen viele den Ruhrtalradweg und können ei-nem den Weg zeigen. Das Ruhrtal wird enger. Straße, Bahn und die Ruhr lassen für den Radweg kaum Platz. Es geht aber doch. Irgendwie rauf und runter bis nach Nuttlar. Pioniergeist kommt auf.
In Bestwig kurz hinterm Bahnhof verlas-sen wir die Bundesstraße und radeln gemütlich in Sichtweite der Ruhr. Von wei-tem sieht man schon die Brücke der A 46. Steil geht’s auf die Höhe. Aber der Blick macht alles wieder gut.
Schnell durch Meschede in Richtung Wen-nemen, und bald sind wir in Freienohl. Dieser Ort profitiert mächtig vom Ruhr-talradweg. Unser Hotel ist jedenfalls voll mit Radlern aus dem Ruhrgebiet.
Man versteht sich, „und dat Pilsken“ schmeckt. Gesprächsthemen sind schnell gefunden. Woher, wie oft, alle haben die gleiche Motivation: Spaß haben und mit netten Menschen ein paar Tage radeln. Essen und trinken ein Muss mit Genuss. Radlust in NRW!
Fazit: 85 Kilometer – 5:55 Stunden im Sattel – Schnitt 14,3 Km/h


4. Tag – Sonntag, 29. April 2007 - Freienohl - Fröndenberg

Wetter: es bleibt klasse
Heute Morgen starten wir zur vorletzten Etappe unserer Fünftagestour. Kurz soll die Strecke sein, denn die 85 Kilometer gestern über den Kahlen Asten hatten es in sich. Unser Ziel für heute ist Frönden-berg, die Zabel-Stadt im Kreis Unna. Das Bett&Bike-Hotel ist schon vorgebucht. Also haben wir genug Zeit, den Tag an der Ruhr zu genießen.
Gleich zu Beginn eine Neubaustrecke ab-seits der großen Straße. Dann ein guter Radweg entlang der L 541. Es geht halt nicht immer so, wie es sich der Genussradler vorstellt. Aber sicher sind die Radwege allemal, auch für Kinder, unbedingt zu empfehlen.
Bis Arnsberg sind es nur ein paar Kilometer. Aufgepasst: gleich hinter den Eisenbahngleisen führt der Weg links ver-steckt an die Ruhr. Die Schilder weisen uns den Weg. Nun kann man sich entscheiden, bleibt man auf dem Ruhrtalradweg oder genießt man Arnsberg? Wir ent-scheiden uns für das Zweite.
Arnsberg ist eigentlich eine Übernachtung wert. Die Hotels haben sich auf die vielen Radler eingestellt, müssen teilweise schon expandieren. Sie bieten Radlerpakete mit Hochgenüssen aus der Sauerländer Küche an. Wir entscheiden uns für die Altstadt. Oben am Tor, direkt am Glockenturm, wartet das Hotel-Restaurant „Altes Backhaus“ auf uns. Im herrlichen Biergarten, versteckt hinter dicken Mauern, gönnen wir uns einen Cappuccino unter Bäumen. Der Ausblick ins Ruhrtal ist gratis. Der Besitzer schwärmt von den Radlern. Er bestätigt uns, was wir schon lange wissen. Radler sind Genussmenschen, essen und trinken gern und auch viel und sind immer fröhlich. Ein neuer Gasttyp für ihn, den er gerne bewirtet.
Arnsberg, die Fahrradhochburg im Sauerland? Man wird sehen, wie lange der Hype andauert. Das Zeug dazu hat der Ruhrtalradweg, mal ein ganz Großer zu wer-den!
Weiter geht’s steil zur Ruhr hinunter. Von jetzt an haben wir wieder viele Fahrrad-fahrer im Schlepptau. Eltern mit Kindern, mal mit, mal ohne Zelt, Tagesausflügler. Einzelreisende trifft man fast gar nicht. Die haben schon jemanden gefunden, mit dem man zusammen radeln kann.
Über versteckte Wege folgen wir dem Lauf der Ruhr. Nicht immer am Ufer entlang, aber sehr gut ausgeschildert. Und immer wieder Hinweise auf ein schönes kühles Fleckchen am Wegesrand. Neheim-Hüsten lassen wir rechts liegen. Der Weg windet sich unter Hochstraßen hindurch. Geschafft. Die Ruhr hat uns wieder: Wiesen so grün, der Himmel so blau und dann kommen die Rapsfelder. Gelb so weit das Auge reicht. Eine Freude für die Augen.
In Wickede gibt’s Eis. Wie war das doch gleich mit der Formel und dem Verbrauch an Kalorien … vergessen. Die Eisdiele ist voll von Radfahrern. Lecker, die Kalorien werden nicht gezählt, was soll’s, wir fahren doch Rad.
Wir erreichen Fröndenberg am frühen Nachmittag. Man trifft sich in der Unter-kunft. Fahrräder, die wir heute schon des Öfteren gesehen haben, stehen bereits im sicheren Keller. Eben Bett&Bike, ein fahrradfreundlicher Übernachtungsbetrieb. Am anderen Morgen hören wir, dass andere Hotels ausgebucht sind.
Fazit: 51 Kilometer – 3:00 Stunden im Sattel – Schnitt 17 Km/h – es geht auch gemütlicher!


5. und letzter Tag – Montag, 29. April - Fröndenberg - Herne-Eickel bzw. Dorsten über Dortmund Hbf – wir sind faul.

Wetter: unverändert wunderbar
Fröndenberg adieu. Das Ruhrtal wird gaaaanz breit. Auf den Wegen die ersten Rennradfahrer. Zabel lässt grüßen. Hier kann man gut trainieren. Die „Eule“ in Fröndenberg ist berühmt dafür.
Zum Glück sind wir Genussradler, aber wir wissen, was uns heute noch erwartet: Die Hohensyburg.
Neu ausgebaute Radwege zeugen vom großen Engagement der Stadtväter dieser Region. Am Biobauernhof machen wir kurze Rast. Auch hier Fahrradfreundlichkeit wo man hinsieht. Der Bauer bietet uns an, schnell noch eine Erfrischung mit-zunehmen. Kühe muhen uns nach.
Schwerte kommt in Sicht. Durch Westhofen geht’s über Straßen. Kein Durchkommen an der Ruhr. Unser Entschluss: kurz vor der Lennemündung verlassen wir die Ruhr in Richtung Hohensyburg. Steil bergauf geht der Weg. Am Campingplatz und der Waldbühne vorbei erreichen wir schnaufend die alte Kirche mit ihren wun-derschönen Grabsteinplatten.
Kurz dahinter dann die Spielbank. Leider ist uns das Kleingeld ausgegangen. Der Blick hinunter ins Ruhrtal mit der Lennemündung veranlasst uns, die vier Tage Radlust in NRW Revue passieren zu lassen.
Es geht noch ein Stück weiter. Die Hohensyburg hat viel zu bieten. Auf dem Schild am alten Gemäuer wird vom Syberg gesprochen, auf dem das alles steht. Ich wusste gar nicht, dass ich so berühmte Namensgeber habe.
Nun heißt es Abschied nehmen von der Ruhr. Wir wollen nach Hause und zum Bahnhof nach Dortmund radeln. Der Weg ist mir noch bekannt von damals, als ich für den Radtourenführer Ruhrgebiet recherchierte. Durch den Viermärker Wald bis zum Tierpark geht’s fast wie von selbst. Durch den Rombergpark verpassen wir einen Abzweig gleich hinter dem WDR- Studio. Aber das Dortmunder Borussenstadion kommt bald in Sicht und wir erreichen die Innenstadt. Noch eine letzte Rast im Eiscafe. Die Züge nach Herne und Dorsten warten schon …
Fazit: 48 Kilometer – 3:50 Stunden im Sattel – Schnitt 13,6 Km/h
Insgesamt waren wir 340 Kilometer unterwegs und saßen 23 Stunden und 28 Minuten im Fahrradsattel - Reinhard hat alles penibel notiert – macht einen Schnitt von 14,5 Kilometer in der Stunde. Also: rein in den Keller, das alte Möhrchen rausgeholt, schön geputzt und repariert und los. Schon kommt die Radlust. Wir sehen uns vielleicht. Spaß macht’s auf alle Fälle.

Ulrich Syberg
Pressesprecher
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Fotos: Reinhard Siemon und Ulrich Syberg